Leiharbeiter

Leiharbeiter verrichten ihre Arbeit für einen begrenzten Zeitraum in einem Einsatzunternehmen. Was zeichnet den Einsatz von Leiharbeitnehmern aus?

Was ist ein Leiharbeiter? 


Der Leiharbeiter oder Leiharbeitnehmer wird im Zuge der Arbeitnehmerüberlassung einem Entleihunternehmen zwecks Erbringung von Arbeitsleistung überlassen. In diesem Entleihunternehmen ist er jedoch nicht fest als Mitarbeiter angestellt, d. h. zwischen Entleiher und Leiharbeiter besteht kein regulärer Arbeitsvertrag. Die Anstellung erfolgt über den Verleiher (Personaldienstleister, Zeitarbeitsunternehmen), der mit dem Zeitarbeitnehmer einen Arbeitsvertrag aufsetzt. Der Verleiher ist also gleichzeitig der Arbeitgeber des Leiharbeitnehmers. Der Einsatz beim Entleiher erfolgt temporär, weshalb in diesem Zusammenhang auch von Temporärarbeit gesprochen wird. Gängige Synonyme sind außerdem Zeitarbeit, Leiharbeit, Mitarbeiterüberlassung oder Personalleasing.

Das Verhältnis zwischen Verleiher, Entleiher und Zeitarbeitnehmer ist durch eine Dreieckskonstellation gekennzeichnet:

  • Verleiher und Entleiher: Verleiher und Kundenunternehmen (Entleiher) vereinbaren einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag, auch als AÜ-Vertrag bezeichnet. Dadurch erhält der Entleiher Anspruch auf die vereinbarte Arbeitsleistung des Leiharbeitnehmers. Der AÜ-Vertrag regelt die konkrete Tätigkeit im Einsatzunternehmen, die Arbeitszeit und eine Entleihgebühr, die der Entleiher pro Stunde an das Zeitarbeitsunternehmen entrichten muss. Dieser Verrechnungssatz, den der Verleiher dem Entleiher in Rechnung stellt, ist höher als das Arbeitsenget des Leiharbeitnehmers. Grund dafür ist, dass das Zeitarbeitsunternehmen verschiedene Kosten decken muss, u. a.:

- die Bruttolohnkosten des Leiharbeiters

- Anteile des Arbeitgebers für die Sozialversicherung (Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung) und Berufsgenossenschaft

- Rücklagen für Zeiten, in denen der Zeitarbeitnehmer beim Kunden im Einsatz ist

- Rücklagen für Krankheits- und Urlaubszeiten des Leiharbeitnehmers

- Zusatzkosten, die für einen Einsatz entstehen können (z. B. Arbeitsschutz, medizinische Untersuchungen)

- Büro- und Personalkosten

  • Verleiher und Leiharbeitnehmer: Zwischen Verleiher und Leiharbeitnehmer besteht ein Arbeitsvertrag, der u. a. Regelungen zu Urlaub und Gehalt, Zuschlägen oder zum Verhalten im Krankheitsfall beinhaltet. Der Leiharbeitnehmer genießt also die Rechte und Pflichten eines Arbeitnehmers: Er hat Anspruch auf Leistungen der Renten-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung, bezahlten Urlaub sowie auf Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall. Der Verleiher zahlt dem Zeitarbeitnehmer seinen Lohn und führt Steuern und Sozialabgaben ab. Außerdem verfügt er über ein Direktionsrecht gegenüber dem Leiharbeitnehmer: Er achtet darauf, dass der Leiharbeitnehmer zur richtigen Zeit am richtigen Arbeitsort erscheint und seine Arbeitnehmerpflichten nicht vernachlässigt.
  • Leiharbeitnehmer und Entleiher: Der Entleiher hat Anspruch auf die vereinbarte Arbeitsleistung im Einsatzzeitraum. Er verfügt über Weisungsrecht, gliedert den Leiharbeiter in das Unternehmen ein und kann ihm vor Ort Anweisungen geben. Außerdem hat er eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Leiharbeitnehmer. Leiharbeiter können in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden: Unter ihnen befinden sich Hilfskräfte, Fachkräfte oder Akademiker. 

Entlohnung des Leiharbeitnehmers 

Der Leiharbeitnehmer wird entsprechend der arbeitsvertraglich geregelten Beschäftigung in eine entsprechende Entgeltgruppen eingruppiert. Maßgeblich dafür ist die für die Überlassung im Einsatzunternehmen notwendige Qualifikation. Im iGZ-Entgeltrahmentarifvertrag sind 9 Entgeltgruppen angegeben:

  • Entgeltgruppe 1 gilt für Tätigkeiten, die eine betriebliche Einweisung erfordern.
  • Entgeltgruppe 2 bezieht sich auf Tätigkeiten, die eine Anlernzeit erfordern oder fachbezogene Berufserfahrung, fachspezifische Kenntnisse oder fachspezifische Qualifikationen voraussetzen.
  • Entgeltgruppe 3 gilt für Tätigkeiten, die eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine fachspezifische Qualifikation und mehrjährige Berufserfahrung erfordern.
  • Tätigkeiten, die Kenntnisse und Fertigkeiten im Zuge einer mindestens dreijährigen Berufsausbildung sowie mehrjährige Berufserfahrung voraussetzen, fallen in Entgeltgruppe 4.
  • Entgeltgruppe 5 bezieht sich auf Tätigkeiten, für die eine abgeschlossene mindestens dreijährige Berufsausbildung einschließlich aktueller Arbeitskenntnisse und Fertigkeiten sowie mehrjährige fachspezifische Berufserfahrung und im Rahmen einer Zusatzausbildung vermittelte Spezialkenntnisse erforderlich sind.
  • Zur Eingruppierung in Entgeltgruppe 6 sind neben der abgeschlossenen mindestens dreijährigen Berufsausbildung einschließlich aktueller Arbeitskenntnisse und Fertigkeiten zusätzliche spezielle Qualifikationsmaßnahmen (z. B. Meister- oder Technikerausbildung) Voraussetzung.
  • Eine Eingruppierung in Entgeltgruppe 7 setzt eine Meister-, Techniker- oder Fachausbildung voraus. Arbeitnehmer übernehmen Verantwortung für Personal oder Sachwerte oder bewältigen selbständig komplexe Aufgabenstellungen.
  • Für eine Eingruppierung in Entgeltgruppe 8 ist ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium erforderlich. Der Arbeitnehmer erledigt selbständig komplexe Aufgaben.
  • Ein Arbeitnehmer, der selbständig Tätigkeiten ausführt, die ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium und mehrjährige Berufserfahrung oder ein Hochschulstudium erfordern, wird in Entgeltgruppe 9 eingruppiert. 

 Branchenzuschläge  

Für einige Branchen gelten Branchenzuschläge, die eine sukzessive Annäherung der Löhne von Zeitarbeitnehmern an die das Arbeitsentgelt vergleichbarer Stammmitarbeiter im Einsatzunternehmen oder der Einsatzbranche ermöglichen: Leiharbeiter erhalten nach einer bestimmten Einsatzzeit im Entleihunternehmen Zuschläge auf ihren Tariflohn. Die erste Stufe erreichen sie i. d. R. nach einer zuschlagsfreien Einarbeitungszeit von 4 bis 6 Wochen. Einen 50 prozentigen Aufschlag erhält der Leiharbeitnehmer im Regelfall nach 9 Monaten ununterbrochener Einsatzzeit im Entleihunternehmen. Ununterbrochen bedeutet, dass der Einsatz nicht für länger als 3 Monate unterbrochen wurde. Die Höhe der Branchenzuschläge hängt von der Entgeltgruppe ab und berechnet sich anhand des Stufenentgelts im Entgelttarifvertrag. Auch die Höhe des Vergleichsentgelts von Stammbeschäftigten sowie die Länge der Überlassung spielen bei der Berechnung eine Rolle. Ende 2016 haben sich die DGB-Tarifgemeinschaft Leiharbeit und die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit (BAP und iGZ) auf eine Anhebung der Tarifentgelte für 2017 geeinigt – jährlich um 2,5 % bis 3,2 % pro Stunde im Westen und um bis zu 4,87 % pro Stunde im Osten, u. a. um die Lohndifferenz zwischen West und Ost zu reduzieren.

Ansprüche des Leiharbeitnehmers im Zuge der AÜG-Reform 

Mit der am 01. April 2017 in Kraft getretenen AÜG-Reform (Reform zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz) haben Leiharbeitnehmer Anspruch auf Equal Pay und Equal Treatment Die im AÜG verankerte Informationspflicht soll sicherstellen, dass Zeitarbeitnehmer wissen, dass sie als solche beschäftigt sind. Sie müssen deshalb vor ihrem Einsatz darüber informiert werden. Einen Anspruch auf Equal Pay, d. h. gleichwertige Bezahlung wie ein vergleichbarer Stammmitarbeiter im Entleihbetrieb, haben Leiharbeiter i. d. R. nach 9 Monaten ununterbrochenem Einsatz im Kundenunternehmen. Ununterbrochen bedeutet, dass der Einsatz nicht für länger als 3 Monate ausgesetzt wurde. Eine Abweichung dieser Regelung auf 15 Monate kann bei Vorliegen eines Branchenzuschlagstarifvertrags zustande kommen. Mit dem Grundsatz der Gleichstellung (Equal Treatment) hat der Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung Recht auf die im Betrieb des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen, das betrifft zum Beispiel die Dauer der Arbeitszeit, arbeitsfreie Tage, Urlaub oder Pausen und Ruhezeiten. Dem Leiharbeitnehmer ist Zugang zu sozialen und Gemeinschaftseinrichtungen im Entleihunternehmen wie z. B. der Kantine oder Pausen- und Raucherräumen zu gewähren. 

Fazit 

Ein Leiharbeitnehmer stellt seine Arbeitsleistung für einen begrenzten Zeitraum einem Einsatzunternehmen zur Verfügung. Das Verhältnis zwischen Leiharbeiter, Entleiher und Verleiher zeichnet sich durch eine Dreieckskonstellation aus: Der Leiharbeitnehmer ist über einen Arbeitsvertrag bei einem Personaldienstleister bzw. Zeitarbeitsunternehmen angestellt, zwischen Verleiher und Entleiher besteht ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag. Der Leiharbeitnehmer hat mit der AÜG-Reform einen Recht auf Equal Pay nach 9 (u. U. auch 15) Monaten im Einsatzunternehmen sowie auf gleiche Behandlung (Equal Treatment). Für bestimmte Branchen liegen Branchenzuschlagstarifverträge vor, um eine sukzessive Lohanpassung an die Vergleichsentgelte von vergleichbaren Stammbeschäftigten zu ermöglichen. 

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