Digitalisierung

Die Digitalisierung birgt neue Herausforderungen und Möglichkeiten für Unternehmen: Es entstehen neue Geschäftsmodelle, die industrielle Produktion ist digital vernetzt und die Arbeitswelt wird flexibler.

Was ist Digitalisierung?  

Digitalisierung beschreibt die wachsende Nutzung digitaler Geräte und die damit einhergehenden Veränderungen von Prozessen, zum Beispiel in der Arbeitswelt, in der Wirtschaft und Gesellschaft. Eine einheitliche Definition des Begriffs existiert nicht. Er kann sich beziehen auf:

- die Umwandlung analoger in digitale Formate

- die digitale Information oder Kommunikation

- die digitale Veränderung von Geräten

- die digitale Transformation

Wichtige Begriffe im Zusammenhang mit der Digitalisierung 

  • Algorithmus: Ein Algorithmus ist eine Folge von Anweisungen zur Problemlösung: In mehreren Einzelschritten werden Handlungen definiert, um ein Problem zu lösen. Algorithmen findet man nicht nur in Computerprogrammen, sondern auch im analogen Leben, z. B. als Bauanleitung oder Gebrauchsanweisung. In der Informatik bilden sie eine wichtige Grundlage für die Programmierung. Algorithmen sind eindeutig und terminiert, so dass nach einer endlichen Anzahl ausführbarer Schritte ein Ergebnis eintritt. Ein Beispiel aus dem E-Recruiting ist der Matching-Algorithmus / das Bewerbermatching: Der Algorithmus vergleicht Stellenanforderungen und Bewerberprofile nach definierten Kriterien und erstellt ein Eignungsranking nach Passgenauigkeit der Kandidaten. Vergleichbar ist der Dating-Algorithmus, der passende Partner beim Online-Dating vorschlägt.
  • Arbeiten 4.0: Der Begriff Arbeiten 4. 0 bezieht sich auf die Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt im Digitalzeitalter. Digitale Technologien bringen neue Möglichkeiten und Herausforderungen mit sich, die sich in der Arbeitswelt niederschlagen. Die Technologien lassen sich bspw. dazu nutzen, um Arbeitsprozesse zu vereinfachen. Durch Technologien wie Videotelefonie oder Online-Konferenzen sind neue Arbeitszeitmodelle möglich. Arbeit ist weniger an ein Unternehmen / einen Ort gebunden und die Arbeitswelt wird flexibler. Der Begriff Arbeiten 4.0 folgt auf folgende Einteilungen:

- Arbeiten 1.0: beginnende Industriegesellschaft (Ende 18. Jahrhundert)

- Arbeiten 2.0: Massenproduktion (Ende 19. Jahrhundert)

- Arbeiten 3.0: Konsolidierung von Sozialstaat und Arbeitnehmerrechten

  • Augmented Reality: Augmented Reality (AR) steht für erweiterte Realität: Die Wirklichkeit wird computergestützt mit Zusatzinformationen angereichert und die Realitätswahrnehmung erweitert. Im Unterschied dazu taucht eine Person bei der Virtual Reality (Virtuelle Realität / VR) vollständig in eine computergenerierte Wirklichkeit ein. AR kann bspw. als Hilfestellung in der Konstruktion zum Einsatz kommen: Sie wird zum Beispiel genutzt, um einem Mechaniker in Echtzeit Arbeitsanweisungen in sein Sichtfeld einzublenden und komplexe Aufgaben dadurch zu vereinfachen. Eine weitere Technik aus dem AR-Bereich ist die Datenbrille Google Glass: Informationen (z. B. E-Mails, eingehende Anrufe) werden in das Blickfeld des Brillenträgers eingeblendet. Die Brille enthält einen Lautsprecher und ein Mikrofon und lässt sich per Sprachbefehl steuern.
  • Big Data: Big Data bezeichnet große Datenvolumen, die aufgrund des variierenden Umfangs und der Schnelllebigkeit meist nur begrenzt verarbeitbar sind. Der enorme Datenzuwachs im 20. Und 21. Jahrhundert hängt damit zusammen, dass immer mehr Daten generiert und Informationen digitalisiert werden. Mobile Endgeräte wie Smartphones oder smarte Technologien (z. B. Smart Home) tragen zur Generierung von Nutzerdaten bei. Über das Internet, die sozialen Medien und andere Kommunikationstechnologien werden Daten digital ausgetauscht. Die Verwertung von Big Data findet bereits in mehreren Bereichen statt, zum Beispiel in der Wirtschaft, im Finanz- und im Gesundheitswesen. Unternehmen versuchen sich anhand von Big Data Analysen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen: Sie nutzen die Daten zur Unternehmenssteuerung und Vorhersage von Ereignissen wie Marktentwicklungen und Geschäftseinflüssen, Verkaufszahlen, Kundeninteressen und Nutzerverhalten.
  • Cloud-Computing: Beim Cloud-Computing werden Clouddienste / IT-Ressourcen (z. B. Speicherkapazitäten, Anwendungssoftware, Server, Rechnerleistung) über ein Rechnernetz bereitgestellt. Anwender müssen die Dienste nicht auf dem lokalen Rechner installieren und können ortsunabhängig darauf zugreifen. Dadurch sparen sie u. a. Investitionskosten für die Hardware und den Betrieb der IT. Unterschieden wird zwischen vier Servicemodellen:

- Infrastructure as a Service (IaaS): Nutzer haben Zugang zu IT-Infrastrukturen wie bspw. Rechner, Server oder Netzwerke.

- Platform as a Service (PaaS): Anwender haben Zugang zu einer Programmierungsumgebung, um eigene Softwareanwendungen zu entwickeln und bereitzustellen.

- Software as a Service (SaaS): Nutzer haben Zugriff auf Softwareanwendungen, die von einem Softwareanbieter bereitgestellt werden. Der Anbieter sorgt für die Wartung und Aktualisierung der Software.

  • Digitale Transformation: Digitale Technologien stoßen Veränderungsprozesse in der Gesellschaft an. Den Wandel, der sich dadurch vollzieht, bezeichnet man als digitale Transformation. Bezogen auf den Wandel in Unternehmen spricht man von Digital Business Transformation: Die Prozesse im Unternehmen, Unternehmensstruktur und -kultur, Kundenbeziehungen und Wertschöpfungsprozesse verändern sich durch die neuen digitalen Möglichkeiten und Geschäftsmodelle.
  • Industrie 4.0: IT- und Kommunikationstechnologien ermöglichen eine zunehmende Verzahnung der industriellen Produktion. Der Begriff Industrie 4.0 bezieht sich auf eine Industrie, für die die digitale Vernetzung und Automatisierung von Produktion und Logistik charakteristisch ist. Virtuelle und reale Prozesse vermischen sich dabei, z. B. auf Grundlage von cyber-physischen Systemen. Produkte werden zunehmend individualisiert und Kunden sowie Geschäftspartner in Wertschöpfungsprozesse einbezogen.
  • Künstliche Intelligenz (KI): Künstliche Intelligenz oder Artifizielle Intelligenz (AI) versucht das kognitive Denken des Menschen nachzuahmen und eine menschenähnliche Intelligenz zu simulieren. Die KI analysiert intelligentes Verhalten und zieht Rückschlüsse, um selbständig Probleme zu lösen und Operationen durchzuführen. Die AI erkennt zum Beispiel Muster und Regelmäßigkeiten, um Operationen auszuführen und anzupassen. Sie greift auf in Datenbanken gespeichertes Wissen zurück, um eigenständig Probleme zu lösen, ohne dass weiterer Input durch den Menschen erfolgen muss. Beispiele für Künstliche Intelligenz sind Systeme zur Sprach- und Bilderkennung oder intelligente Assistenten wie Siri und Cortana.
  • Machine Learning: Maschinelles Lernen ist ein Teilbereich der Künstlichen Intelligenz. IT-Systeme erkennen Muster und Gesetzmäßigkeiten in Datenbeständen und können künstliches Erfahrungswissen generieren. Dadurch sind sie in der Lage, Probleme mithilfe von Algorithmen eigenständig zu lösen. Auch Lerntransfers, d. h. die Übertragung der Problemlösung auf andere Situationen, sind möglich. Beispiele für Machine Learning sind Sprach-, Bild- und Texterkennung.

Digitalisierung im Recruiting 

Auch im HR-Bereich eröffnen digitale Technologien neue Möglichkeiten. Ein Beispiel sind E-Recruiting-Lösungen in der Personalrekrutierung: Solche Bewerbermanagement-Systeme standardisieren den Bewerbungsprozess und ermöglichen eine zentralisierte Kommunikation zwischen Fachabteilungen, Entscheidern und Bewerbern über das System. Abstimmungs- und Kommunikationswege lassen sich dadurch verkürzen, so dass ein schnelles Feedback möglich ist. Im Bewerbermanagement-System können anstehende Aufgaben zentral bearbeitet und überblickt werden. Bewerbungseingänge werden in das System übernommen und die Bewerberdaten in Bewerberprofile eingespeist. Dies erfolgt entweder manuell oder mithilfe eines CV-Parsers: Der Parser liest den Lebenslauf des Bewerbers aus und überträgt die Daten automatisch in das Bewerberprofil und in die Datenfelder der Online-Bewerbung. Personalabteilung und Bewerber sparen dadurch gegenüber der manuellen Dateneingabe Zeit. Je nach Programmierung verfügt die Software über Direktaktionen: Anwender können bestimmte Operationen per Mausklick ausführen, z. B. das Versenden von Wartebriefen an wartende Bewerber. Auch die Erstellung von Stellenanzeigen im eigenen CI kann über die Software möglich sein. Enthält sie eine Multiposting-Funktion (Multi-Channel-Posting) können Anwender die Stellenanzeige in mehreren Stellenportalen gleichzeitig streuen, ohne sie separat hochladen zu müssen. Dadurch profitieren sie von einer Zeitersparnis und maximieren ihre Bewerberreichweite.

Fazit

Die Entwicklung und Nutzung neuer digitaler Technologien stößt Veränderungsprozesse in der Gesellschaft an (digitale Transformation). Diese Veränderungen durchziehen verschiedene gesellschaftliche Bereiche – vom Gesundheitswesen über die Wirtschaft bis hin zum Bildungswesen. Unternehmen eröffnet der digitale Wandel neue Möglichkeiten, stellt sie aber auch vor die Herausforderung, auf Veränderungsprozesse zu reagieren.